mit Werken von
Erika Kobayashi
Jong Ok Ri
Kei Takemura
Yu Araki
Yuichiro Tamura

Yoshiko Inui, Video: Tim Kaiser, 2018 

Es ist gut 160 Jahre her, da erfand sich Japan neu. Es gab auch keine Alternative für das Inselreich, denn die Westmächte standen vor der Tür: mit Kanonenbooten und einem Katalog Forderungen. Damit begann ein Prozess der rapiden Modernisierung, der sämtliche Aspekte des japanischen Lebens ergriff – von der Familie und den Geschlechterbeziehungen über das Bildungssystem (Schule und Universität), die politische Verfassung und Verwaltung, bis hin zu Industrie und Militär. Der Kultur fiel die Aufgabe zu, die krassen Spannungen zwischen Tradition und Neuerung zu vermitteln. Genau deshalb ist es möglich die Geschichte des modernen Japan anhand nur eines, wiewohl einzigartigen Kleidungsstücks zu rekonstruieren: des Kimonos.

Weil nun der Kimono seine Form nicht ändert, müssen sich die Muster verändern, die ihn zieren. «Bizarre Muster» (so viel bedeutet Omoshirogara) tauchen gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf, als die Mode die Moderne zu verarbeiten beginnt: Eisenbahnen, Schlachtschiffe, Flugzeuge, Kino, Mickey Mouse, Postkarten oder auch Zeitungsberichte über militärische Heldentaten. Während einige Muster einen optimistischen Internationalismus zelebrierten, brachten sie die imperialistischen kolonialen Ambitionen Japans zum Ausdruck, das sich durch territoriale Akquisitionen als Weltmacht etablieren wollte. In den späten 1930er Jahren verdüstern sich die Symbole weiter, als Japan mit Nazi-Deutschland und dem faschistischen Italien paktiert.

Die Ausstellung OMOSHIROGARA zeigt die japanische Modernisierung und die globalen Verstrickungen durch eine genaue Lesung von Kimonos aus der Sammlung der Textilhistorikerin und unumstrittenen Expertin auf dem Gebiet, Yoshiko Inui (Prof.em., Tokai University, Sapporo). Neben den Kimonos zeigt die Ausstellung Werke der fünf zeitgenössischen Künstler*innen Yu Araki, Erika Kobayashi, Jong Ok Ri, Kei Takemura und Yuichiro Tamura, historische Werke und die der Sammlung DKM. Die Moderne ist noch lange nicht vorbei, sondern lebt, wenn auch manchmal im Verborgenen, in unserer globalen Gegenwart weiter. 


Kimonos

Läßt sich Historie am Leitfaden eines Kleidungsstücks erzählen? Vor allem, wenn „Historie“ mehr sein soll als das bloße Herunterbeten von Fakten oder die Aufreihung von Ereignissen.

Juban (Unterkimono): Mickey Maus, ca. 1930er Jahre, Sammlung Yoshiko Inui, Sapporo

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Künstler:innen

Erika Kobayashi, Sie hat gewartet, 2019/2021, Ausstellungsansicht, Museum DKM, 2021. Foto: Christina Wild



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Programm

23.01.2022 Gespräch 12:30 H

Künstlergespräch mit Kei Takemura

In ihrer aktuellen Serie „Renovated“ umwickelt Kei Takemura zerbrochene Alltagsgegenstände mit Synthetikstoffen und „vernäht“ die beschädigten Teile mit fluoreszierenden Seidenfäden. In diesem Künstlergespräch wird Takemura mit den Kurator*innen über ihre neuen Werke diskutieren, die für die Ausstellung im Kontext der Omoshirogara Kimonos entstanden sind, die die historische Verflechtung der Achsenmächte darstellen. 

 

Der Gespräch findet online statt. Bitte nehmen Sie online an dem Gespräch auf Zoom teil.

Dauer: 1 Stunde · EN

30.01.2022 Gespräch 12:30 H

Künstlergespräch mit Erika Kobayashi

​​Erika Kobayashi ist in vielen Medien zuhause – als Schriftstellerin, Mangazeichnerin und bildende Künstlerin. In ihrem Werk untersucht sie die unsichtbaren Dinge, insbesondere Radioaktivität und Kernenergie. Ihre Installation „Sie hat gewartet“ (2019/21) verbindet die Geschichte der Atomwaffen mit der Geopolitik des olympischen Fackellaufs, der bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin begann. In diesem Künstlergespräch wird Kobayashi mit den Kuratorinnen über den Hintergrund und Produktionsprozess des Werks diskutieren.

 

Der Gespräch findet online statt. Bitte nehmen Sie online an dem Gespräch auf Zoom teil.

Dauer: 1 Stunde · EN

30.01.2022 14:30 H

Führung

Dauer: 1 Stunde · JP

30.01.2022 16:00 H

Führung

Dauer: 1 Stunde · EN

Programm